Arbeits und Reisebericht 2020

Arbeits-und Reisebericht 2020

Arche NoA ein Projekt bei der Patengemeinschaft e.V.

Nora Claus

Grelle Farben, laute Musik – viele Menschen sind auf den Straßen und in Tempeln. Für drei Wochen tauche ich wieder in diese schillernde Welt ein. In eine tropische Welt mit grünen Palmenhainen und leuchtenden Reisfeldern.

Doch dieses Mal – Mitte Januar – wird das „Pongalfestes“ gefeiert, das mit unserem Erntedankfest vergleichbar ist. Die Straßen und Tempel sind mit bunten Lichterketten geschmückt. Es blinkt und leuchtet wie bei uns in Europa an Weihnachten. Dazu klingt überall laute Musik aus großen Boxen. Die Frauen tragen ihre Festtags-Saris und Männer eine Hose anstatt des einfachen Wickelrocks (Dodi genannt). 

Neben dem Arche NoA Center in Mylaudy ist zwar nur ein kleiner Tempel, was aber nicht bedeutet, dass die Pongal-Festlichkeiten kleiner oder ruhiger ausfallen. Im Gegenteil. Aus den haushohen Lautsprechern neben der Tempelanlage dröhnt vier Tage lang von 5 Uhr morgens bis 11 Uhr nachts verschiedene Kreationen von Musik. Es sind Rhythmen, die wir nicht gewöhnt sind und die durch die enorme Lautstärke nur wie ein chaotischer Lärm wirken.

Obwohl es mir bewusst ist, dass in jedem Land andere Sitten gepflegt werden, empfinde ich diese Erfahrung wie einen Kulturschock.

Wie wichtig das Pongal-Fest für die Bevölkerung dort ist, haben ich auch bei meiner üblichen Sari-Einkaufstour festgestellt. 

In den Geschäften waren nicht nur besonders viele Kundinnen, in den Ladenregalen lagen auch zahlreiche Extra-Pongal-Kollektionen.

Bei meiner Reise nach Mylaudy begleitete mich dieses Jahr die Journalistin Edda Neitz aus Aachen, die schon viele Jahre in unserem Aachener Arche NoA-Team dabei ist.

Durch ihre langjährige Mitarbeit war sie neugierig geworden auf den Arche NoA Center und die bunte indische Kultur. Wer die Möglichkeit hat, eine Projektarbeit vor Ort kennenzulernen, sollte es tun, lautet ihr Resümee. Es fördert auf jeden Fall das gegenseitige Kulturverständnis.

Für mich ist die Reise nach Mylaudy inzwischen ein Aufenthalt in einem bekannten Umfeld. 2006 wurde das Arche NoA-Projekt von mir ins Leben gerufen. Nach 15 Jahren sind mir die Landschaft und die Natur, die Straßen und die Gerüche, die Frauen und die Kinder vertraut. Dort ist meine zweite Art Heimat, die ich jährlich aufsuche, um dann dem Projekt Arche NoA immer wieder neue Impulse zu geben.

Ein wichtiges Projekt war im vergangenen Jahr ein neues Dach für die große Arche NoA-Community Hall. Das Palmdach war nicht mehr dicht und musste neu gedeckt werden. Auch in Indien ist die Situation von traditionellen Handwerken nicht viel anders als bei uns. Handwerker, die die Fähigkeit haben Dächer mit Palmblätter zu decken, gibt es kaum noch. Deshalb wurde das Dach der Community Hall nun mit rotem Wellblech belegt. 

Ein besonders großer Dank geht in diesem Zusammenhang an den Frauenclub „Soroptimisten Düsseldorf-Pempelfort“. Er hat die Kosten für die neue Dachdeckung übernommen. 

Die Vorträge und Zusammenkünfte, die monatlich in der Arche NoA Community Hall stattfinden und von Arche NoA organisiert werden, schätzen die Dorfbewohner – vor allem die Frauen – sehr. Mehrmals im Jahr kommt auch ein mobiles Krankenhaus. Konsultation und Behandlung finden dann in dem großen, gepflegten Raum statt. Bei Bedarf gibt es dort auch tierärztliche Versorgung. 

Demonstration in Mylaudy

Im Dezember 2019 waren die Dorfbewohner zum ersten Event „ENVIRONMENT AND CLIMATE CHANGE AWARENESS“ eingeladen. Mit einer zweistündigen Demonstration durch den Ort machten die Teilnehmer auf die Bedeutung von Umweltschutz aufmerksam. Der Bürgermeister sowie der Executive Officer Mylaudy Panchayat und einige Priester waren als Referenden und Teilnehmer dabei. Es wurde darüber referiert, wie man Plastikmüll recyclen kann und wie aus kompostierbaren Materialen Humus entsteht.

Außerdem wurden Bäume gepflanzt und zehn Solarlampen verlost. Die Solarlampen sollen den Dorfbewohner noch einmal mehr verdeutlichen, dass – einfach ausgedrückt – Energie vom Himmel fällt. Diese Veranstaltung zeigte mir, dass Offenheit für bestimmte Umweltmaßnahmen vorhanden ist. Diese Einstellung möchten wir nutzen und in diesem Jahr eine ähnliche Veranstaltung durchführen. Was für Europa gilt – ist auch für Indien wichtig: wir wollen den Kindern eine gute Erde hinterlassen.

Die Wochen in Mylaudy waren wie immer arbeitsintensiv und vorwiegend damit ausgefüllt Sari-Stoffe, Zubehör wie Reißverschlüsse und Kunstleder sowie Baumwollgarne zum Weben einzukaufen. All diese Materialien benötigen die Näherinnen von Arche NoA zur Herstellung der Schals, Taschen und Kleider, die wir hier in Deutschland verkaufen. Mit diesen Einnahmen können wir das Projekt finanzieren.

Das indische Arche-NoA Team hatte einen Verkaufsstand im nahen Kanyakumari. Dieser Ort am südlichsten Zipfel Indiens ist für die Hindus ein wichtiger Pilgerort. Wir waren mehrmals dort, weil wir uns ein Bild von den Besuchern machten wollten. Wir dachten, es kämen auch internationale Touristen an diesen südlichen Punkt von Indien. Aber es sind hauptsächlich Pilger und indische Touristen, die sich nicht für die Arche-NoA Produkte interessieren, weil diese mehr nach unseren Bedürfnissen in Europa konzipiert sind. Daher haben wir das Projekt in Kanyakumari gestoppt.

In unserem Nähzentrum werden im Sommer junge Mädchen im Nähen und Sticken ausgebildet. Die Anmeldezahl ist hoch. 

Bis jetzt konnten wir alles, was wir uns vorgenommen hatten, auch bewältigen und der Arche-NoA Center ist ein wichtiger Bestandteil in Mylaudy geworden. Sogar das „Hühner-Küken“ Projekt kommt gut an. Die Arche NoA Hühner werden gerne gekauft. 

Für die Finanzierung der vielen Arche-NoA Maßnahmen und auch für die weitere Teilhabe an der Patengemeinschaft sind unsere Benefizkonzerte und -basare wichtige Einnahmequellen. Im Juli 2019 waren erfolgreiche Konzerte in zwei großen Aachener Kirchen. Das Konzert im Dezember stand unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten von NRW, Armin Laschet. Außerdem konnten wir den im Westen bekannten Chor „Flow“ und den Aachener Organisten Hartmut Feifel für das Benefizkonzert gewinnen.

Ein herzliches „Danke schön“ an alle Interpreten und Spender, die uns unterstützen und damit beitragen, unsere Ziele weiter zu entwickeln.

Das Arche NoA Team in Aachen bleibt aktiv. Wir freuen uns auf viele Besucher/Innen bei den Veranstaltungen 2020.

                                                Eure Nora Claus

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s